SOME INFINITIES ARE BIGGER THAN OTHER INFINITIES

John Green, ich schreibe Ihnen hier offen etwas, was Sie wohl nie lesen werden- erstens, weil ich davon ausgehe, dass Sie die deutsche Sprache nicht lesen und verstehen können und zweitens, weil Sie sowieso wohl nie auf diese Seite stoßen werden. Aber das macht nichts. Nicht ein bisschen was. Ich möchte Ihnen einfach wohl nur Dank aussprechen, für das Lachen und Weinen, für diese Minuten mit diesem einen Buch - The Fault In Our Stars. Für so vieles, was Sie damit einem - mir - gegeben haben. Für die Band "The Hectic Glow", für "An Imperial Afflicition", für den Herzschmerz, wenn ich an Augustus Waters denke und mir nichts anderes wünsche, dass es solche Menschen in der Realität gibt, für Hazel Grace und ihre Geschichte, für das, was Sie mir am Ende des Buchs damit angetan haben, für diese Minuten des Hinterfragens und des Zorns - John Green, ich habe Sie geliebt für dieses Buch und Sie mögen mir verzeihen - es war mit Sicherheit genauso viel Hass wie Liebe dabei.
S.
MY THOUGHTS ARE STARS I CAN'T FATHOM INTO CONSTELLATIONS
John Green assoziierte ich mit einer Nachhilfeschülerin, mit der ich damals "Eine wie Alaska" für eine Abschlussprüfung durchgegangen bin. Das waren diese Winterabende im alten Nachhilfeinstitut, dessen Vorhänge träge das Leben von draußen abschirmten und wir gemeinsam brütend über ihren Unterlagen saßen. Mittlerweile ist das schon zweieinhalb Jahre her und seitdem kam ich mit John Greens Büchern nicht mehr in Berührung.
Irgendwann im frühen Sommer diesen Jahres suchte ich Urlaubslektüre und blieb beim Cover von "The Fault In Our Stars" hängen. Den Titel mochte ich, das Cover auch und auch wenn es immer heißt, man sollte Bücher nicht unbedingt nach dem Cover beurteilen (was ich ein wenig für schwachsinnig halte, denn wir Menschen sind nun mal verliebt in schöne Designs und Aufmachungen - und mir tut es weh, wenn ein tolles Buch einen hässlichen Einband tragen muss) - so bestellte ich es ohne noch etwas über den Inhalt zu wissen.

Es begleitete mich eigentlich die Hälfte meiner kleinen Europatour, im Zug nach Wien, im Bus nach Bosnien - die Autobahn verlief fließend neben mir, meine Stirn lag auf der kühlen Fensterscheibe, die rumpelte und mir Kopfschmerzen bereitete. Die Kälte tat aber zu gut, der Regen, der an dem Glas entlang strömte wie tausend Sturzbäche, das Rauschen des Motors in den Ohren und die vielen Stimmen, von denen ich keine einzige sprachlich verstand. Auf meinen Knien lag "The Fault In Our Stars", in meiner Hand ein kleiner Bleistift, mit dem ich jene Stellen markierte, die es in mir besonders einbrannte. Schließlich beendete ich es in unserem Appartement eines Nachts, ich glaub es war Sonntag oder Montag - während Angie neben mir über ihre Lektüre herzhaft lachte (Maria ihm schmeckt's nicht) und ich mein Gesicht in meine Hände grub und die Tränen fließen ließ. Schon zuvor am Strand spürte ich, wie meine Wangen heiß wurden, ich schob es auf die Sonne, aber hinter meinen großen Sonnenbrillen sammelten sich Bäche an und verschwanden im Handtuch, das ich flink über mein Gesicht zog.

An diesem einen Abend in Kroatien hatte ich die letzten Seiten bestimmt noch fünf Mal gelesen. Am Morgen danach auch. Ich weiß nicht, was ich mir davon erhofft hatte, Erleichterung? Mit Sicherheit nicht. Ich hatte nur ein wenig mehr Zorn auf John Green, warum er dieses Buch so hatte enden lassen. Seitdem liegt es zugeklappt in meinem Regal, aber immer wenn ich es sehe, dann erinnere ich mich an die vielen Minuten, die ich mit ihm verbracht habe (und gedanklich noch verbringen werde).
Worum handelt es überhaupt?
Das sagt Amazon:
Despite the tumor-shrinking medical miracle that has bought her a few years, Hazel has never been anything but terminal, her final chapter inscribed upon diagnosis. But when a gorgeous plot twist named Augustus Waters suddenly appears at Cancer Kid Support Group, Hazel's story is about to be completely rewritten. Insightful, bold, irreverent, and raw, The Fault in Our Stars is award-winning author John Green's most ambitious and heartbreaking work yet, brilliantly exploring the funny, thrilling, and tragic business of being alive and in love.
Ein Buch über Krebs also. Bücher, die ich schon öfters gelesen habe und von denen es mehrere am Markt gibt. Meist schaffe ich es nicht, sie mit trockenen Augen zu lesen und oft sind sie auch wirklich gut geschrieben und zielen nicht nur darauf ab, hemmungslos zu weinen, sondern sich mehr Gedanken über das Leben zu machen.

John Green kann das ebenfalls. Die Handlung alleine ist nichts Besonderes. Zwei lernen sich kennen. Zwei haben/hatten Krebs. Rundherum noch die Eltern angesiedelt, die mit der Krankheit der Tochter mehr (oder weniger) umgehen zu wissen und Freunde, die ebenfalls ein mehr (oder weniger) hoffnungsloses Schicksal haben. Was an John Greens Buch aber besonders ist, ist eindeutig die Sprache und sein Talent, dass einen genau diese an der Hand nimmt und durch das Buch führt. Einen weinen lässt, auflachen, seufzen und stillhalten. Ich wollte teilweise immer nur weiterlesen - musste dann zum Beispiel im Bus aufgrund Lichtmangel stoppen und saß dann im Halbschlaf da, meine Gedanken noch immer bei diesem Buch, welches noch immer auf dem Schoß lag - geschlossen und geheimnisvoll, darauf wartend, dass man es wieder in die Hand nimmt.

Ich möchte nicht viel über die Handlung sagen, denke ich, man muss einfach dieses Buch gelesen haben, um dieses Gefühl zu bekommen, das einen so einsam zurücklässt, wenn man es fertig gelesen hat. Ich habe ein bisschen wie ein kleines Mädchen für Augusts geschwärmt, aber auch Hazel Grace so sehr ins Herz geschlossen. Ihrer beider Ansichten und das was sie fühlen und denken. Es bricht einem das Herz und genau durch diesen Bruch ist man bereit, sich mehr hinein zu versetzen. Man ist offen für alle Empfindungen und Wörter, die die Geschichte rüberbringen versucht.
Dann kam auch noch der Fakt, dass Amsterdam ebenfalls ein Schauplatz ist und was Amsterdam betrifft, bin ich sowieso noch immer ein wenig empfindlich, da ich diese kurze Zeit im Mai dort geliebt habe und noch immer mehr als vermisse.
Ich kann es eigentlich kaum in Worten ausdrücken, wie gut und bewegend dieses Buch ist, würde es so gerne, habe es versucht, bin gescheitert. Darum: Wenn ihr gerade ein wenig Platz auf eurer Leseliste habt und etwas möchtet, was euch nicht los lässt: The Fault In Our Stars ist genau das richtige und am besten noch auf Englisch (die deutsche Version kam vor drei Wochen raus und heißt "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" - aber da geht schon alleine in der Titelübersetzung so viel verloren, glaubt mir!)
Mittlerweile liegen neben mir auch "Looking for Alaska" und "Will Grayson Will Grayson" - ich glaube nicht, dass John Green mich hier enttäuschen wird (auch wenn ich Hazel und Augustus noch immer nachhänge) und ich sehne mich bereits nach dunklen Herbstabenden, in denen man nicht mehr braucht als Tee, eine Decke und genau so ein Buch in der Hand, das viel mehr in einem aufwärmt und rührt, als der wahrscheinlich relativ schnell kalt werdende Tee.
THE WORLD - HE SAID - IS NOT A WISH-GRANTING FACTORY