Gestern Abend war es soweit. Die langgeplante und vor allem langersehnte "Mörderische Dinnerparty" ging von statten. Falls einige von euch noch nicht wissen, wie dieses Spiel abläuft, beziehungsweise was man sich unter einer Mörderischen Dinnerparty vorstellen kann, seid ihr bei diesem Post genau richtig. Der Blaubart Verlag hat mir nämlich freundlicherweise, nachdem ich seit Monaten an diesem Spiel interessiert bin, eine kostenfreie Ausgabe zugesandt, welche ich euch hier - mit unserem tollen Abend natürlich - vorstellen werde. Die Erfinder dieses Spiels sagen über den Abend:
Ein Abend unter Freunden, Verwandten und Bekannten. Doch das Idyll trügt: Ein Mörder sitzt mit Ihnen zu Tisch! Jetzt gilt es, den Täter zu entlarven. Dabei helfen Dialogszenen, verborgene Indizien, verräterische Briefe, schockierende Fotos und geheime Dokumente. Und eine Stimme, die weitere Überraschungen parat hält. Ganz einfach wird die Sache nicht, denn jeder der Gäste hat ein dunkles Geheimnis...
Bei der Dinnerparty handelt es sich grob gesagt um ein Rollenspiel. In der wirklich schönen, hochwertigen Spieleverpackung befinden sich Einladungen für alle Gäste, in einem Broschürenformat sowie alle weiteren Utensilien, die man für das Spiel braucht: Tischkarten für alle Anwesenden, Rollenhefte, geheime Hinweise, ein Partyplanner und eine CD.
Nachdem die Einladungen vor etwa 2 Wochen ausgeteilt wurden, konnte sich jeder Gast genügend Zeit nehmen, in seine Rolle zu schlüpfen. Dann war es soweit. Knisternde 30er-Jahre-Musik ertönte, der Raum war von Chrysanthemengeruch eingenebelt, der Sekt sprudelte ... die einzige Frage, die zu diesem Zeitpunkt noch immer allen vor Augen geführt wurde, war:
Großbritannien im Januar 1936. Das ganze Commonwealth ist in heller Aufregung, da in dieser Woche Edward VIII den britischen Thron besteigen soll. Auf dem Weg in die Hauptstadt ist auch der Nachtexpress aus dem schottischen Edinburgh. Einige der Mitreisenden haben sich aufgemacht, um der Krönungszeremonie beizuwohnen.
Doch die Reise nimmt eine unerwartete Wendung: Als der Zug wegen eines umgestürzten Baumes stoppen muss, findet man den Schaffner mausetot in seinem Abteil - mit einer Kugel im Schädel. Schnell ist klar: Einer der Reisenden der 1. Klasse muss der Täter sein...
Das spannende an dieser Sache ist, dass der Mörder ebenfalls zu Beginn des Spiels nicht weiß, dass er die Tat ausgeübt hatte. Darum werden von Anfang an alle verdächtigt. Die Presse hat vor Beginn der Abreise noch ein Foto aller Mitreisenden gemacht:
Prinzipiell hätte es jeder der Anwesenden sein können: War es der skurrile Pater Mc Brown? Oder die liebreizende Deutsche Marlene Drillich? Auch Lord Winterbottom hat so seine Motive. Auch nicht ganz geheuer: Oberst Mc Pomm und seine Gattin Lady Margaret. Oder waren es doch die imposante Gräfin Zobel und ihre französische Zofe Chantal?
Die Jagd nach dem Mörder begann also, einige Impressionen dieses Abends enthalte ich euch natürlich nicht vor:
Serviert wurden von mir vier Gänge, die ich euch ebenfalls kurz zeigen möchte. Ich habe nicht den Vorschlag nachgekocht, der im Menüplanner vorgegeben war, da uns das zu winterlich war. Etwas "Leichtes" sollte her:
Fruchtiger Salat
Tomaten-Mozzarella-Salat mit Himbeeren & Orangen in einer Pesto-Balsamico-Vinaigrette & gebratener BärlauchtofuhaubeGazpacho
Kalte Gurken-Tomatensuppe mit getoastetem Sandwich und Meeresfruchtspieß
Cannelloni
Spinat-Feta-Tatar-Zucchini-Teigröllchen in Lauch-Tomatensauce
Schokobrunnen mit bunter Früchtemischung
Zu sagen ist an dieser Stelle, dass wir alle entschlossen haben, dass - falls wir einen neuen Fall bei einer Krimi-Dinnerparty durchspielen werden (und das werden wir!) - das Essen nicht so im Vordergrund stehen soll. Für mich als Gastgeberin war es teilweise beinahe unmöglich, dem ganzen Geschehen zu folgen und gleichzeitig zu servieren, abzuservieren, aufzutischen, (Grund dafür ist sicherlich mein Hang zum Perfektionismus beim Anrichten, den ich nach dem ersten gefüllten Glas der Vorspeise vollkommen über Board warf)... - obwohl ich mich bewusst für Dinge entschieden hatte, die ich am Nachmittag schon fertig machen konnte, beziehungsweise sich im Ofen von selbst vervollständigen (zum Fotografieren war generell ebenso kaum Zeit). Also für das nächste Mal wird es wohl ein kaltes Tischbuffet geben, sodass wir alle genügend Aufmerksamkeit für den Fall haben können.
Unser Fazit:
Jeder war begeistert und blühte in seiner Rolle sehr rasch auf. So waren wir nicht mehr wir, sondern eben die Gräfin, oder der Lord. Es wurde auch fast nicht in unserem jeweiligen Dialekt gesprochen, da alle Figuren ihren landestypischen Akzent annahmen. (Ein Wundäär dass isch 'eute nischt mehr, frauuunsöösisch sss-spreche, oui.) Also alle Leckerein, die wir zu uns genommen haben, sind sicher durch unsere Lachanfälle sofort wieder verpufft. Lachmuskelstärkung pur! Wahrscheinlich muss man aber auch Glück haben, mit wem man spielt. Doch selbst Rollenspielmuffel wurden gestern nach der Personenvorstellung warm, da einfach sehr viel Witz und Charme durch die zugeschriebenen Charaktere versprüht wird.
Da wir alle Spieleabende lieben und schon eine ganze Reihe an Spielen getestet haben, fielen uns auch ein paar kleine Mängel auf. Teilweise war durch die Regieangabe in den Rollenbüchern nicht klar, wann welcher Charakter seine Aufgaben zu erfüllen hat, so kam es vor, dass etwas gesagt wurde, was zu dem Zeitpunkt nicht unbedingt passend gewesen wäre. Nach jeder Aufgabenrunde sprachen wir deshalb alle nochmals unsere Aufgaben untereinander durch, da sonst zu viel Verwirrung geherrscht hätte. Zudem ergaben sich manchmal Situationen, in denen man für eine Tat/etc beschuldigt wurde, von der man selbst noch nie gehört hatte. Uns wäre es oft lieber gewesen, seinen eigenen Charakter vorher besser zu kennen. Andererseits war der Überraschungsmoment somit umso größer und man musste sich erstmals wieder sammeln, um zum Gegenangriff ausholen zu können.
Eventuell ist das bei den anderen Spielen schon besser geregelt, da - so viel ich weiß - der Londonexpress das erste Spiel des Blaubartverlags war.
Die Abwechslungen im Spielfluss durch eigene Gedanken, dann wiederum vorgegebene Dialogführung und das Hören der CD (welche ebenfalls in Ordnung ist - die Sprecherin ist nicht immer sehr überzeugend rübergekommen, aber das machte uns gar nichts aus) lockerten den Ablauf auf und so vergingen beinahe vier Stunden für alle viel zu schnell, denn im Endeffekt erriet nur ein Charakter der Runde, wer der Mörder war.
Schade ist es, dass das Spiel kaum Wiederspielwert besitzt. Das habe ich auch der Leiterin des Verlags mitgeteilt, die jedoch meinte, dass man einen Krimi auch zwei Mal lesen könne, aber man dabei natürlich den Mörder bereits wisse. Das heißt: Dieses Spiel ist wirklich als Krimi zu verstehen. Das leuchtete mir ein, somit könnte man das Spiel in einer anderen Spielerrunde nochmals durchspielen - wobei dann für den Gastgeber nicht unbedingt Spannung aufkommen würde. Bei mir wird es wohl in meiner großen Spielesammlung landen und darauf warten, ausgeborgt zu werden. Leider sind diverse Malheure den Abend lang passiert, so wissen die nächsten Spieler dann, dass es beim ersten Mal Tomatensauce und flüssige Schokolade gab.
Kostenpunkt: 34,90 Euro über die Homepage
Über Amazon: knapp 31 Euro (01.05.11)
Personen: 6 - 8 (wenn man sich das durch die Anzahl teilt, ist es sehr günstig für so einen tollen Abend!)
Kostenpunkt: 34,90 Euro über die Homepage
Über Amazon: knapp 31 Euro (01.05.11)
Personen: 6 - 8 (wenn man sich das durch die Anzahl teilt, ist es sehr günstig für so einen tollen Abend!)
Möglichkeiten, eine Mörderische Dinnerparty zu erwerben (oder falls ihr mehr darüber wissen wollt, bzw. euch die anderen Fälle auch ansehen möchtet):
Vielen lieben Dank für das Spiel!
Habt ihr Erfahrungen mit Krimi-Dinners? Würde euch so ein Abend reizen?
Wichtig! Mein Gewinnspiel wird, da ich bis frühestens Donnerstag keine Zeit zum Auslosen haben werde, ein wenig verlängert, denn bevor es einfach geschlossen wird und nichts voran schreitet, gebe ich lieber noch ein paar Spätzündern die Zeit, noch mitzumachen. Also: Samstag, 07.05.2011, 12:00 mittags ist der neue Teilnahmeschluss. Danke für euer Verständnis.
































































